09. January 2017

Neujahrsgruss mit Ausblick

Der Umbruch der Telekommunikationsindustrie vom manuellen zum industrialisierten Zeitalter ist im 2016 weiter vorangeschritten. Das zeigt sich zum Beispiel daran, dass viele der noch im 2015 von den Herstellern propagierten Geräteschnittstellen (wie z.B. OnePK) sukzessive durch industrieweite Standards wie NETCONF, RESTconf, Yang usw. ersetzt werden. Das heisst, dem Chaos von proprietären Ansätzen folgt ein Industriekonsens, der auch Raum für heterogene Produktekombinationen zulässt. Ein weiteres Zeichen für die Reife eines neuen Technologieansatzes sind die Anzahl Open-Source Lösungen, welche auf diesen Standards aufsetzen. Und da hat sich im 2016 enorm viel getan: NAPALM, ncclient, OpenDaylight, Ansible, SaltStack, um nur einige Beispiele zu nennen.

Für uns Netzwerker und Systemtechniker bedeutet dies, dass der Druck, sich von altgeliebten Tools wie CLI, telnet, ssh, putty usw. zu trennen, weiter steigen wird. Sonst laufen wir Gefahr, früher oder später durch die «Software-Entwickler Fraktion» ersetzt zu werden. Denn es ist schwer zu argumentieren, weshalb repetitive Tasks auch im 2017 noch immer von Hand ausgeführt werden sollen. Und sind wir ehrlich: viele der täglichen Unterhaltsarbeiten an der IT sind tatsächlich repetitiver Art, klar definierbar und liessen sich daher sehr wohl automatisieren - vorausgesetzt wir beherrschen die dazu notwendigen Werkzeuge. Aber genau da fehlt es vielerorts am erforderlichen Know-how (woran unser Bildungssystem nicht ganz unschuldig ist, trennte man schliesslich Applikationsentwicklung und Systemtechnik seit über 20 Jahren auf allen Stufen von der Berufslehre bis zur Hochschule). Dennoch sind viele Puzzle-Teile meist bereits vorhanden und müssen nur mit dem richtigen «Mittel» (z.B.: Python) zu einer Lösung zusammen geführt werden.

 

Zum Glück hat sich die Software-Entwicklung in den letzten Jahren auch stark weiterentwickelt. Dank umfangreichen Tools und Hilfsmittel schlägt sich der Programmierer heute nicht mehr mit Syntaxproblemen und Memory-Leaks herum, sondern kann sich voll auf die Umsetzung der gewünschten Funktionalität, sprich «Use-Cases» fokussieren. Zudem sind Programmiersprachen wie Python auch für den Laien gut lesbar und verständlich. 

 

Daher verbinde ich meinen Neujahrsgruss mit der Aufforderung an alle Systemtechniker und Netzwerker, 2017 einen ersten Schritt in Richtung Scripting und Programmierung zu wagen. Dies kann durch die Lektüre eines guten Buches (z.B. «Learn Python the Hard Way») oder durch den Besuch einer Ausbildung (z.B. «Netzwerkautomatisierung mit Python») erreicht werden. Ich wünsche Ihnen dabei viel Spass und Erfolg! Herzliche Grüsse, Prof. B. Stettler